10.09.2019

Reduced to the max – „Mittermeiers Alter Ego“

Vor den Toren der Rothenburger Altstadt wurde eine ehemalige Unternehmervilla aus der Gründerzeit zum Hotel umfunktioniert.
Vor den Toren der Rothenburger Altstadt wurde eine ehemalige Unternehmervilla aus der Gründerzeit zum Hotel umfunktioniert.

Der Bauherr kombinierte dafür zwei unterschiedliche Konzepte: Die Qualität eines High-End-Designhotels mit der Freiheit und Ungezwungenheit eines privaten Appartements. Während das Farbkonzept der Außenfassade von Schwarz geprägt ist, dominieren im Inneren Transparenz und Offenheit – bis hin ins Schlafbad. Wie dieses im modernen Designhotel gekonnt in Szene gesetzt wird, zeigt „Mittermeiers Alter Ego“ in seinen elf Hotelzimmern, in denen der geräumige, luxuriöse Duschbereich als gestaltendes Element den Takt vorgibt.

© Jan Schmiedel

Das Gebäude, in dem „Mittermeiers Alter Ego“ entstanden ist, war ursprünglich die 1904 erbaute Villa eines Rothenburger Seifen- und Parfüm-Fabrikanten. 2017 erwarben mit Ulli und Christian Mittermeier zwei erfahrene und bekannte Hotellerie- und Gastronomieprofis die freigewordene Immobilie, um sie schonend zu sanieren und zeitgemäß umzugestalten. Idealerweise lag das freigewordene Gebäude direkt neben der „Villa Mittermeier“, einem Boutique-Hotel und Gourmet-Restaurant, das die Mittermeiers seit über 20 Jahren erfolgreich in Rothenburg führen.

Für die Betreiber stand von Anfang an fest, dass „Mittermeiers Alter Ego“ kein zweites, klassisches Boutique-Hotel wird, sondern als Hybrid- und Konzepthotel die Qualität eines High-End-Designhotels mit der Freiheit und Ungezwungenheit von privaten Appartements kombinieren soll.

„Im Vorfeld des Bauprozesses habe ich mich gefragt: Welche Gestaltung und Ästhetik erwarte ich als Gast von einem Hotel? Da ich selbst um die 80 Roomnights im Jahr in nationalen und internationalen Hotels verbringe, wusste ich genau, was einem als Gast gefällt und was ich definitiv anders machen möchte. Von diesen Erfahrungen habe ich profitiert und so meine eigenen Ideen mit einfließen lassen“, erläutert Christian Mittermeier die Philosophie hinter seinem zweiten Hotelprojekt.

Architektonisch begleitet wurde der Umbau des Wohnhauses in ein Konzepthotel von Martin Schroth (Architekturstudio Schroth). Die Idee, die den Sanierungsprozess dominierte: Bewusst Details wegzulassen und dafür alles in höchster Qualität umzusetzen. „Wir haben uns hier getraut, bestimmte Dinge, die bisher in der Hotellerie als gegeben angesehen waren, in Frage zu stellen, und das Ganze so zu interpretieren, wie wir es für richtig halten – teilweise rigoros anders“, lacht Mittermeier.

„Wir haben uns gefragt, wo ein Gast im Hotel als erstes hinsieht und kamen schnell aufs Badezimmer“, erklärt der Hotelier. Das Hotelbad signalisiert dem Gast den Standard des Hotels und ist häufig auch Inspirationsgeber. Früher waren Hotelbadezimmer analog zum Privatbad zuhause gestaltet, also ein Raum mit vier Wänden, Dusche oder Badewanne und WC. Nach und nach öffneten einzelne Wanddurchbrüche zum Schlafraum das Hotelbad und transparente Glaswände sorgten für Tageslicht. Der dritte Schritt in der Evolution des Hotelbads ist der komplette Wegfall von Badwänden, das Bad erhält dadurch einen Bühnencharakter – so wie die Schlafbäder im „Mittermeiers Alter Ego“, die gestalterisch anspruchsvoll inszeniert sind und von Offenheit und Transparenz dominiert werden.

Anspruchsvolle Inszenierung der Dusche

Der Gast wird im Zimmer nicht von einer Garderobe oder einem Schrank empfangen, sondern von einem größeren, foyer-artigen Raum, der ganz bewusst freien Blick auf Dusche, Waschtisch und Spiegel zulässt. „Für mich ist die Dusche das wichtigste Element im Hotelzimmer. Unter der Dusche habe ich die besten Ideen. Hier möchte ich Raum haben und von Luxus und Geräumigkeit umgeben sein.“ Also setzte Christian Mittermeier auf großzügige, bodenebene Duschen mit viel Platz – und für den Luxusaspekt auf zwei benachbarte Regenbrausen, sogenannte Doppelduschen, die individuell gesteuert werden können und extra viel Wasser unter der Dusche versprechen.

Neben der Dusche ist die WC-Nische beheimatet. Für die nötige Intimität sorgen hier Schiebetüren aus satiniertem Glas, die den als T-Zone gestalten Bereich voneinander trennen können. Je mehr Transparenz im Schlafbad gewährt wird, desto mehr Intimität in Form von beweglichen Trennwänden oder satinierten Scheiben sollte gleichzeitig geboten werden. Praktisches Detail: Der Griff an der Vorderseite der Tür dient gleichzeitig als Handtuchhalter.

Da der Duschbereich als gestaltendes Element im Hotelzimmer fungiert, wollten Bauherr und Architekt eine Duschfläche finden, die sich nahtlos in die Unigestaltung des Hotels integriert, einem der wesentlichen Taktgeber des architektonischen Konzepts. „Das Farbkonzept ist schwarz geprägt: Schwarzer Boden, schwarze Außenfassade. Innen haben wir an den Wänden viel mit Taupe und Dunkelblau gearbeitet“, sagt Architekt Martin Schroth. Auch in den Hotelzimmern wurde der schwarze Farbton des Bodens in Form von tiefschwarzem Eiche-Vollholzparkett beibehalten. In den Bädern wurde die schwarze Bodenstruktur in schwarze Fliesen umgewandelt, so dass ein farblich stimmiger Gesamteindruck entsteht.

© Jan Schmiedel

Gestalterische, ökonomische und technische Vorteile

Gesucht waren schwarze, bodenebene Duschflächen in unterschiedlichen Maßen mit zusätzlicher Rutschhemmung. „Aus gestalterischen, ökonomischen und technischen Gründen haben wir uns für Duschflächen von Bette entschieden“, so Schroth. Insgesamt wurden elf unterschiedlich große BetteFloor Side Duschflächen im Mattfarbton Raven eingebaut, die mit der nahezu unsichtbaren, rutschhemmenden Oberfläche BetteAntirutsch Pro für Sicherheit beim Duschen sorgen.

Das matte Schwarz der BetteFloor passt strukturell und farblich exakt zu dem Schwarz der Bad-Fliesen und geht nahtlos in die Fliesenstruktur über. Neben der ästhetischen Integration achtete der Architekt besonders auf den übergangslosen Anschluss der Duschfläche an den Badboden, der keine Kanten oder Ränder aufweisen sollte, die zu Stolper- oder Schmutzfallen werden können. „Praktisch war auch, dass wir die Duschwannen nachträglich einsetzen konnten, also nachdem die Wände gefliest und die Milchglas-Scheiben bereits eingebaut waren.“ Den letzten Ausschlag gab jedoch der seitlich an den Rand versetzte Ablauf der BetteFloor Side, der beim Duschen nicht als Unebenheit unter den Füßen stört.

© Jan Schmiedel

Filigranes Rahmengestell als wiederkehrendes Gestaltungselement

Neben den neun Regular-Zimmern beherbergt das „Mittermeiers Alter Ego“ auch zwei Extra-Large-Zimmer. Eines der beiden größeren Zimmer wurde zusätzlich zur bodenebenen Dusche noch mit einer exklusiven Badewanne von Bette ausgestattet. Mit der Skelettkonstruktion der freistehenden Badewanne BetteLux Shape hat Bette ein erfolgreiches Konzept aus der Architektur ins Interior Design des Badezimmers übertragen. Stabiler Stahl formt dabei den tragenden, offenen Rahmen, in den die Wanne aus glasiertem Titan-Stahl eingehängt ist – der weiche fließende Innenkörper und der flach auslaufende Rand der Badewanne werden dadurch brillant in Szene gesetzt.

© Jan Schmiedel

Die zentral im Raum positionierte Badewanne zieht gleich beim Betreten des Hotelzimmers alle Blicke auf sich und verleiht dem großen Raum eine besondere Leichtigkeit. „Das extrem filigrane Rahmengestell der Badewanne ist natürlich wie für unser innenarchitektonisches Konzept gemacht und passt perfekt zu unserer Gesamtkomposition“, sagt Christian Mittermeier, „denn die Badewanne ist absolut ‚reduced to the max‘, alle wichtigen Faktoren sind da, alles andere ist auf elegante Weise weggelassen. Das trifft genau so auch auf unser ‚Mittermeiers Alter Ego‘ zu.“

Tatsächlich ist das Motiv des Rahmengestells neben der schwarzen Farbgebung ein wiederkehrendes Gestaltungselement innerhalb des Hotels. Christian Mittermeier: „Unsere Rahmenelemente sind in Anlehnung an Mondrian-Gemälde entstanden. Wir haben die Proportionen daraus übernommen und in die ‚Frames‘ übertragen, die bei uns als Raumteiler, Regal, Beleuchtung und Garderobe eingesetzt werden.“

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